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Methoden zur Messung der Zahlungsbereitschaft

https://doi.org/10.1007/978-3-531-90464-1_3
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no DOI — not checkedDie folgenden Erläuterungen und einige Beispiele zu den zwei Methoden basieren auf Hanley et al. (2001a: 53ff.). Eingehende Beschreibungen und Analysen finden sich auch bei Garrod und Willis (1999), Parsons (2003) sowie Taylor (2003).
no DOI — not checkedHanley et al. (2001a: 54) machen deutlich, dass die Marktpreismethode weitestgehend methodisch gesichert lediglich für den Wohnungsmarkt angewendet werden kann/soll.
no DOI — not checkedFür eine ausführliche Diskussion verschiedener Messmethoden siehe Mitchell und Carson (1989). Sie unterscheiden 16 Methoden. Darüber hinaus differenzieren sie, ob Präferenzen am Marktverhalten oder auf beruhypothetischen Märkten beobachtet werden und ob jeweils eine direkte oder indirekte Verbindung der Methode mit der Zahlungsbereitschaft besteht, d.h. ob Zahlungsbereitschaften am Marktverhalten und in Umfragen direkt oder indirekt ermittelt werden. Nach diesem Schema sind die Kontingente Bewertung als hypothetisch und direkt einzustufen und die Choice Experimente als hypothetisch und indirekt, was in den nachfolgenden Ausführungen noch deutlich wird. Die Marktpreismethode und Reisekostenmethode werden dem beobachteten Marktverhalten zugeordnet und entsprechen direkter Methoden.
no DOI — not checkedZudem werden — wie sich noch zeigen wird — direkten Methoden, allen voran der Kontingenten Bewertung (Contingent Valuation/CV), Inkonsistenzen mit der ökonomisch-theoretischen Fundierung angelastet. Dazu bemerkt Hanemann (1996: 38) etwas überspitzt: „Economists, someone once said, are people who spend their time pondering whether things that are observed to happen in practice could possibly happen in theory. That is to say, we tend to take consistency with accepted economic theory, rather than consistency with observed data, as the touchstone for assessing validity. [...] At a fundamental level, it has been argued that CV violates economists’ longstanding commitment to the methodology of revealed preference — anything other than revealed preference is suspect. Beyond this, arguments have been made that particular empirical findings from CV studies are inconsistent with particular predictions of economic theory, and therefore the method is suspect. [...] With regard to revealed preference, one should recognize that while it is an extremely valuable tool, economics did exist before revealed preference and could exist without it“.
no DOI — not checkedDiese Richtlinien werden nach wie vor als Referenzpunkt für das Design vieler Kontingenter Bewertungen herangezogen. Sie haben sich jedoch nicht als allgemein akzeptierte Regeln durchsetzen können und sind selbst zum Gegenstand der wissenschaftlichen Auseinandersetzung geworden (vgl. hierzu Willis 1995 sowie Harrison 2002).
no DOI — not checkedDie Informationen zu politischen und rechtlichen Entwicklungen sind Portney (1994) entnommen, die zur Kontingenten Bewertung und dem Tankerunglück Bateman und Willis (1999). Hintergrundinformationen über das Tankerunglück finden sich auch auf den Internetseiten von Greenpeace.
no DOI — not checkedIn der Europäischen Union gibt es keine solch enge Verbindung zwischen politischen Entscheidungen und Kontingenten Bewertungen (vgl. Bonnieux und Rainelli 1999). Allerdings ist es durchaus wahrscheinlich, dass Kosten-Nutzen-Analysen und damit die ökonomische Bewertung von Umweltgütern „zu gegebenen Zeitpunkten“ eine Relevanz erlangen. Bereits seit den 1980ern gibt es eine zunehmende Zahl an Studien, besonders in Großbritannien und Skandinavien, aber auch anderen EU-Staaten wie Frankreich. Für einen Überblick zum Stand der Diskussion und Entwicklungen im deutschsprachigen Raum sei auf Elsasser und Meyerhoff (2001) verwiesen.
no DOI — not checkedDie Erläuterungen zum Zahlungsformat orientieren sich — wenn nicht anderes angegeben — an den Ausführungen von Bateman et al. (2002: 135ff.).
no DOI — not checkedReady et al. (2001) haben eine der wenigen Studien vorgelegt, in denen das Referendumsformat und die Zahlkarte miteinander verglichen werden und die explizit eine Erklärung liefern, warum dahin gehend Zahlungsbereitschaften differieren. Ihre Resultate zeigen, dass bei dichotomen Formaten — im Gegensatz zur Zahlkarte — sich die Befragten weitaus unsicherer sind, ob sie den Geldbetrag auch tatsächlich zahlen würden. Deshalb lässt sich bei einem Referendum vermuten, dass den vorgegebenen Zahlungsbereitschaften eher zugestimmt wird. Insgesamt können unter Umständen so auch die zahlreichen Ergebnisse gedeutet werden, die höhere Zahlungsbereitschaften bei dichotomen Fragen im Vergleich zu offenen Fragen nahe legen (siehe für einen Überblick zu elf vergleichenden Studien Brown et al. 1996). Dennoch und trotz einiger Probleme ist das Referendumsformat wahrscheinlich auch so beliebt, weil es vom NOAA-Panel um Arrow und Solow empfohlen wurde (vgl. Arrow et al. 1993). Obwohl Mitglieder des Panels eine wissenschaftliche/methodische Auseinandersetzung mit der Kontingenten Bewertung anregen wollten, wurde mitunter ein unintendierter Nebeneffekt erzeugt, denn in den USA wurden von Bundesbehörden meist nur jene Studien gefördert, in denen die erarbeiteten Richtlinien und Empfehlungen eingehalten werden (Schulze et al. 1996: 111). Schließlich ist die Verwendung des Referendumsformats eine solche Empfehlung, die Gefahr lief und z.T. Gefahr läuft, nicht hinterfragt zu werden.
no DOI — not checkedIm Rahmen der Sated Preference Methods (SP) gibt es noch weitere Choice Modelling Methoden wie das „Contingent Ranking“ und „Contingent Rating“ (vgl. Bateman et al. 2002: 249ff.). Dabei kommt es zum Beispiel darauf an, verschiedene Wahloptionen in eine Rangfolge (nach Präferenz) zu bringen, oder jede einzelne Alternative (unter Vorlage mehrerer) wird auf einer Skala bewertet. Diese Methoden werden hier nicht weiter betrachtet, weil sie in der einschlägigen Diskussion randständig sind.
no DOI — not checkedChoice Experimente entsprechen in ihren grundlegenden Charakteristika bzw. haben Ähnlichkeiten mit der — dennoch nicht identischen — Methode des faktoriellen Survey (Vignettenanalyse), die in der Soziologie zunehmend eingesetzt wird (vgl. u.a. Buskens und Weesie 2000, Beck und Opp 2001 und Mäs et al. 2005). Einen Einblick in die weiter gefasste Conjoint-Analyse, die im Prinzip Choice Experimente subsumiert, gibt Klein (2002). Dort wird auch ein Ausblick auf mögliche sozialwissenschaftliche Anwendungen gegeben.
no DOI — not checkedEin Haupteffekt kann nach Louviere et al. (2000: 86) wie folgt definiert werden: „A ‘main effect’ is the difference in the means of each level of a particular attribute and the overall or ‘grand mean’, such that the differences sum to zero. Because of this constraint, one of the differences is exactly defined once the remaining L — 1 are calculated for an L level attribute. The latter constraint gives rise to the concept of degrees of freedom, and leads naturally to the conclusion that there are L — 1 degrees of freedom in each main effect because one difference is exactly determined“. Darüber hinaus gibt es noch Interaktionseffekte, die aber oftmals ignoriert werden: „Simply put, an interaction between two attributes will occur if consumer preferences for levels of one attribute depend on the levels of a second. For example, if preferences for levels of product quality depend on levels of price, there will be an interaction“ (Louviere et al. 2000: 87).
no DOI — not checkedDie Anzahl an Choice-Sets, die Befragten letztendlich vorgelegt werden, liegt im Ermessen des Forschers, sobald die statistischen Anforderungen erfüllt sind. Ergibt sich beispielsweise ein optimales Design mit 32 Sets, dann können diese wiederum in Blöcke unterteilt werden, was oftmals bei der Konstruktion des Designs direkt berücksichtigt wird. Werden vier Blöcke gebildet, so bewertet jeder Respondent acht Sets. Obwohl es keine eindeutige Regel zur Stichprobengröße gibt, sollte aber sicher gestellt sein, dass jedes Set ungefähr von 50 Personen bewertet wird (Bennett und Adamowicz 2001: 59).
no DOI — not checkedFür eine ausführliche Darstellung der Unterschiede und Auswirkungen auf das Design der Experimente sei auf Louviere (2000: 119ff.) verwiesen.
no DOI — not checkedDie Diskussion von fünf verschiedenen Aspekten der Validität mag auf den ersten Blick etwas irritierend erscheinen. In der empirischen Sozialforschung unterscheidet man in der Regel drei Formen der Validität: Inhaltsvalidität, Kriteriumsvalidität und Konstruktvalidität (Schnell et al. 1999: 149ff.). Diese drei Formen subsumieren zum Teil weitere Kriterien. Die fünf hier behandelten Kriterien sind mitunter Unterformen der oben genannten drei Formen und werden in der Bewertungsliteratur „getrennt behandelt“ (vgl. auch Freeman III 2003: 174ff.).
no DOI — not checkedWährend bei indirekten Methoden die Zahlungsbereitschaften meist niedriger sind als bei direkten Methoden, sind sie bei indirekten Methoden in der Regel höher als in „realen Situationen“ bzw. auf simulierten Märkten (siehe die criterion validity). Grundsätzlich sind besonders auch direkte Methoden fehleranfällig. Daher bleibt bei der Beurteilung einer Diskrepanz zwischen Zahlungsbereitschaften, die mit verschiedenen Methoden gemessen wurden, letztlich unklar, ob sich diese Diskrepanz aus einer ungenügenden Validität der direkten, indirekten oder beider Methoden ergibt (Freeman III 2003: 176).
no DOI — not checkedEine mögliche Herangehensweise zur Reduktion der Divergenz zwischen hypothetischen und realen Zahlungsbeträgen haben Loomis et al. (1996) getestet. In einem Laborexperiment wurden Büro-und Verwaltungsangestellte einer Universität gefragt, ob und wie viel sie bereit sind, für ein „Wolf-Gemälde“ zu bezahlen. Jeweils zwei Gruppen sollten erst ihren hypothetischen Zahlungsbetrag aufschreiben und dann ein reales Angebot machen (offenes Frageformat bzw. einfache Auktion, denn die Höchstbietende erhielt das Gemälde). Eine dritte Gruppe nahm unmittelbar an einer realen Auktion teil. In einer der ersten beiden Gruppen wurde ein so genannter reminder verwendet, d.h. den Teilnehmern wurde verdeutlicht, dass sie nicht den von ihnen als fair wahrgenommenen Preis nennen, sondern sich so verhalten sollen, als wäre es eine richtige Auktion. Der reminder konnte die Differenz zwischen hypothetischen und realen Geldbeträgen nicht gänzlich aufheben, sondern auf ein Verhältnis von 1,8:1 reduzieren. Insgesamt führt er zu einer besseren Performance im Vergleich zu den Ergebnissen ohne reminder.
no DOI — not checkedEine Methode, um Probleme durch den hypothetischen Charakter der Kontingenten Bewertung zu mildern und „korrekte“ Zahlungsbeträge zu ermitteln, ist auch das so genannte „Cheap Talk Design“. Bei diesem aus der Spieltheorie entlehnten Konzept werden die Befragten vor ihrer Zahlungsentscheidung z.B. explizit auf Untersuchungsergebnisse aufmerksam gemacht, die eine Divergenz zwischen hypothetischen und realen Zahlungen feststellen. Beispielweise konnten Cummings und Taylor (1999) anhand von Experimenten nachweisen, dass sich reale Zahlungen und hypothetische Zahlungen mit Cheap Talk nicht unterschieden, im Gegensatz zu realen Zahlungen und hypothetischen Zahlungen ohne Cheap Talk.
no DOI — not checkedEs gibt bisher nur wenige Studien, die explizit die Wirkung verschiedener Zahlungsvehikel in der Feldforschung, also nicht experimentell, untersuchen (siehe Champ et al. 2002).
no DOI — not checkedZudem merkt Hanemann (1994: 35) an, dass zumindest Anordnungseffekte und Effekte der Subadditivität von eingebetteten Gütern der ökonomischen Theorie entsprechend mit Substitutionseffekten und einer abnehmenden Grenzrate der Substitution erklärbar sind. Eine weitere potenzielle Erklärung führen Degenhardt und Gronemann (2001) an. Die Äußerung der Zahlungsbereitschaft könnte einem Spontankauf entsprechen und wird womöglich später bereut, wenn Personen klar wird, dass ihr Budget für Beiträge zu anderen Kollektivgütern nicht ausreicht.
no DOI — not checkedEin Test, ob Zahlungsbereitschaften mit dem Umfang eines Umweltgutes variieren, sollte in empirischen Untersuchungen ohnehin durchgeführt werden Es sei daran erinnert, dass bei Choice Experimenten ein „scope test“ immer enthalten ist. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, entweder der Umfang eines Gutes wird innerhalb eines Samples variiert (interner Test), oder der Umfang des Gutes wird zwischen Sub-Samples variiert (externer Test vgl. Carson et al. 2001: 182). Externe Tests gelten als stabiler (Hanley et al. 2001b: 450).
no DOI — not checkedDaneben zählen auch Ausreißer zu Protestantworten, d.h. Zahlungsbereitschaften, die sehr hoch sind und, an der Budgetrestriktion bemessen, weit über den „wahren“ Zahlungsbetrag hinausgehen (Lindsey 1994). Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich jedoch auf die Behandlung von Nullantworten.
no DOI — not checkedBisher mangelt es noch an einschlägigen Studien. Eine Ausnahme bildet die Studie von Meyerhoff und Liebe (2006). Auch im empirischen Teil der vorliegenden Arbeit wird eine Protesteinstellung getestet (vgl. Abschnitt 7.1).
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